„Tod am Eisenberg“ von Thomas Himmelbauer
Eine ausgelassene Schulschlussfeier am Eisenberg endet tödlich: Die junge Dagmar Zamtipel wird unterhalb des beliebten Aussichtspunkts „Weinblick“ tot aufgefunden. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Unfall hin, doch die Ermittler der SOKO-Südost, Beliz Hombert und Anton Geigensauer, entdecken rasch Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. Während sich die Spuren zwischen Weinkellern, Dorfgemeinschaft und sommerlicher Idylle verlieren, geraten immer mehr Menschen unter Verdacht. Gleichzeitig sorgt die Rückkehr der berühmten Schauspielerin Franziska Vogel für zusätzliche Unruhe am Eisenberg – und schon bald zeigt sich, dass hinter der friedlichen Fassade des Südburgenlands dunkle Abgründe lauern.
Leseprobe
Motorengeräusch und dröhnende Popmusik kündigten ein nahendes Auto an. Ein schwarzer VW Golf hielt oberhalb des Weinblicks am Straßenrand und zwei Burschen stiegen aus. Der eine hatte auf den Armen zahlreiche Tattoos und trug eine Schirmkappe. Er hob aus dem Kofferraum eine Kiste Bier und schleppte sie zu Dagmar hinunter. Der andere, auf dessen glatzköpfigem Schädel das Bild einer Schlange zu sehen war, hob eine Kartonschachtel, aus der die Flaschenhälse von Eristoff Vodka herausragten, von der Rücksitzbank und folgte ihm.
»Das ultimative Fest zu Ferienbeginn«, sagte der Tätowierte.
»Habt ihr auf das Vorglühen vergessen?«, fragte Dagmar.
»Nein, sicher nicht«, antwortete der mit dem Reptil-Tattoo am Kopf, griff in den Karton und holte drei Jägermeister hervor. Rasch tranken sie diese aus.
»Ex!«, rief der eine und warf das geleerte Fläschchen in die Natur hinunter.
*
Ein weiteres Auto hielt und zwei Mädchen stiegen aus. Gleich darauf traf ein Bursch mit seinem Moped ein. Später ertönte Falcos »Nie mehr Schule« durch die Weingärten, als wären diese Skipisten und die Plattform die Bergstation eines Liftes.
***
»Schläfst du?«, fragte Peter Zurtel seine Gattin, die neben ihm im Bett lag.
»Wenn du mich aufweckst, nicht«, erwiderte Eva.
Seit die beiden in Pension waren, wohnte das Ehepaar im Sommer in seinem Kellerstöckl am Eisenberg.
»Es ist bald ein Uhr in der Nacht. Die Musik stört. Diese Jugendlichen haben kein Benehmen«, ärgerte sich Peter.
»Sie feiern den Schulschluss. Du wirst es aushalten.«
»Ich werde das Fenster schließen.«
»Kommt nicht infrage. Ich brauche Luft.«
»Ich gehe zu den Krawallbrüdern und sage ihnen meine Meinung.«
»Dagmar feiert mit.«
»Dagmar Zamtipel?«
»Genau. Bleib hier, wenn du dich nicht im halben Ort unbeliebt machen willst!«
»Ich rufe die Polizei wegen Ruhestörung.«
»Du spinnst. Gib Ruh und zähl Schäfchen!«
*
Der Lärm schien für Eva kein Problem zu sein. Denn kurze Zeit später hörte Peter ihre regelmäßigen Atemzüge. Er hingegen wälzte sich hin und her und fand nicht in den Schlaf. Er versuchte sich zu erinnern, in welchen Gegenden der Welt er übernachtet hatte. Als er sich ein Hotel in Venedig ins Gedächtnis rief, verstummte die Musik. Ein paar Minuten vernahm er noch Stimmen und Lachen, dann das Abfahren von Autos und Mopeds. Er schlief ein, um kurze Zeit später wieder aufzuschrecken. Hatte er geträumt oder hatte jemand um Hilfe gerufen? Er lauschte. Es war nichts zu hören außer den Vorhängen, die raschelten, weil der laue Wind sie bewegte.
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