„Tod in engen Gassen“ von Max Oban
Hallein, eine malerische, verwinkelte Stadt im Salzburger Land. Hilde Gabler, eine hübsche Witwe, wendet sich an Paul Peck. Sie hat entsetzliche Angst. Ihr Mann ist vor die S-Bahn gestürzt. Selbstmord, sagt die Polizei. Hilde glaubt nicht an Selbstmord. Und seit einigen Tagen fühlt sie sich von einem Mann verfolgt. Rätselhafte Dinge gehen in dem Unternehmen vor sich, das Hildes Ehemann vor Jahren gegründet hat und das jetzt vor dem Bankrott steht. Wo sind die Firmenmillionen geblieben? Und warum stürzt genau jetzt einer der Geschäftsführer mit einem Kleinflugzeug in den Tod? War es ein Unfall? Detektiv Paul Peck steht vor einem Rätsel. Er stößt auf gewaltbereite Firmenchefs, einen leeren Sarg – und auf eine weitere Leiche. Nach und nach kommt er einem grausamen Geheimnis auf die Spur und gerät selbst in tödliche Gefahr.
Leseprobe
Paul Pecks achter Fall
Energisch schaltete sie das Radio aus und ging ins Wohnzimmer. Auf dem niedrigen Tisch neben der Couch lag ein Roman und ihr fiel ein, dass sie nicht einmal wusste, worum es in dem Buch ging. Es lag schon wochenlang neben der Leselampe, ohne dass sie es aufgeschlagen hatte.
Was sollte sie jetzt tun? Gelangweilt schaltete sie den Fernseher ein. Offenbar hatte sie einen Nachrichtenkanal erwischt. Ein seriös aussehender Mann las mit monotoner Stimme Texte vor, die sich wie Berichte zur Lage des Landes anhörten. Wenn der Fernseher läuft, so will man sich entspannen, sagte sie sich, man will unterhalten aber nicht belehrt werden.
Fernsehen stiehlt einem die Zeit und ist folgedessen etwas Unvernünftiges. Sie musste lächeln, als ihr der Satz einfiel, den ihre Tochter Stefanie einmal gesagt hatte. Vorwurfsvoll natürlich. In den Fernsehapparat zu glotzen bezeichnete sie als passive Freizeitgestaltung und puren Zeitvertreib. Die Zeit vertreiben … das war natürlich nach Meinung ihrer Tochter total verboten.
Auf einem anderen Sender lief ein Fernsehspiel, in dem sich drei dunkel gekleidete Menschen aufgeregt miteinander unterhielten. Sie wusste zwar nicht, worum es ging, ließ aber den Fernseher eingeschaltet. Es beruhigte sie, die Stimmen zu hören. Das vertrieb das Gefühl, allein zu sein.
Nach einigen unruhigen Schritten in die Küche und wieder zurück trat sie ans Fenster, zog den Vorhang ein wenig beiseite und schaute durch den Spalt auf die Straße. Sie erstarrte. Auf dem Gehsteig gegenüber stand ein Mann. Er war ihr schon einmal aufgefallen. Vor zwei oder drei Tagen. Regungslos stand die stämmige Gestalt in der Dunkelheit zwischen zwei Straßenlampen. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen. So als ob er kein Gesicht hätte. Nur die Füße waren ins Licht getaucht. Als sich die Gestalt etwas bewegte, fiel ihr der breitkrempige Hut des Mannes auf, der langsam den Kopf hob. Schaute er zu ihr herauf? Plötzlich hatte sie das Gefühl, dass sich ihre Blicke trafen. Erschrocken schloss sie den Vorhang und trat einen Schritt zurück. Angst schnürte ihr die Kehle zu.
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Tod in engen Gassen
Kriminalroman von Max Oban
Taschenbuch, 260 Seiten, € 12,90 (A)
ISBN 978-3-99074-159-7



