„Stille Wasser“ von Pia Wala

Ein scheinbar idyllischer Reha-Aufenthalt im Waldviertel: Anna Wagner genießt ihre Verlobung mit Jonathan und das ruhige Leben in Gars am Kamp. Doch als die Floristin Theresa Trost mit einer grausamen Entdeckung auftaucht, ist es vorbei mit der Ruhe. Eine junge Frau wurde am Flussufer ermordet, kurz darauf gibt es weitere Opfer. Alle wurden mit einem präzisen Stich getötet – und tragen auffällige Haarnadeln. Anna beginnt zu ermitteln und stößt auf ein düsteres Familiengeheimnis, das tief in tragische Kindheitserinnerungen reicht. Ein Fall, der auch ihre Liebe auf eine harte Probe stellt.

Leseprobe

Sie flanierten die Straße entlang bis die Hornerstraße in die Kremserstraße überging. Wie selbstverständlich schlugen sie den Weg zum Fluss ein. Sie schlenderten über die Brücke. Das Wasser glitzerte in der Morgensonne und ein paar Blütenblätter tanzten übers Wasser. Über der Biegung des Flusses ragte die Silhouette der Burg hoch in den Himmel. Von ihrem Hügel aus thronte sie über der Stadt. Ein steinerner Zeuge längst vergangener Tage. Anna hielt kurz inne, um den Ausblick zu genießen.
„Wundervoll, nicht wahr?“ Jonathans Atem jagte ihr einen Schauer den Nacken hinunter. Als er ihren Nacken küsste, zuckte sie lachend zusammen.
Doch ein Schrei ließ ihr Lächeln gefrieren. Für einen Herzschlag wusste Anna nicht, woher er kam. Anna fuhr herum.
„Hilfe! Hilfeeee!“ Gedämpft hallten die Rufe unter der Brücke wider. Ein Läufer stolperte atemlos hervor. Mit angstgeweiteten Augen starrte er sie an. Er beugte sich vornüber und übergab sich.
„Hilfe“, keuchte er erneut.
Anna und Jonathan liefen die Brücke entlang und stürzten den kleinen Trampelpfad zu ihm hinab. Jonathan versuchte ihn zu stützen, doch der Mann im mittleren Alter wand sich aus seinen Armen. Er zupfte an seinem schweißgetränkten T-Shirt. Der beißende Geruch des Erbrochenen stieg Anna in die Nase.
„Da drüben!“ Der Läufer deutete aufgebracht unter die Brücke.
Sie folgte seinem Fingerzeig.
„Warten Sie hier“, sagte Jonathan. Er folgte Anna durchs hohe Gras. Sie spürte, wie die feuchten Halme ihre Hose durchnässten. Ihr fielen die hohen Bambusstämme auf, die sich sanft im Wind wiegten. Kreisförmig angeordnet umrahmten sie einen kleinen Steinplatz. Anna stürzte darauf zu. Im Zentrum des Kreises lag eine junge Frau. Ihr Haar glänzte in der Morgensonne. Ihre Hände lagen gefaltet auf ihrem Bauch. Sie hielt eine Blume. Anna stockte. Einen Moment blieb ihr der Atem weg. Auf den ersten Blick wirkte es, als schliefe die Frau. Doch die bläuliche Haut und die unnatürliche Stille schnürten Anna die Kehle zu.

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Thalia

Stille Wasser
Anna Wagners 3. Fall
Kriminalroman von Pia Wala
Taschenbuch, 220 Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-369-0