„Mostviertler Tänzerin“ von Helmut Scharner

Inspektorin Stefanie Leitner wird mit einem rätselhaften Fall konfrontiert: In einem beschaulichen Wäldchen in Sankt Georgen am Ybbsfelde wird die Stripperin Estera erschossen aufgefunden. Schon bald gerät die Mitbewohnerin der Toten ins Visier der Ermittlungen. Doch je tiefer Stefanie Leitner in das Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen eintaucht, desto mehr Fragen tauchen auf. Eine Kollegin der Toten enthüllt Details, die sie selbst verdächtig machen. Ein Baumeister behauptet, Estera sei ihm verfallen, während der Clubbetreiber verdächtigt wird, sie an der Flucht gehindert zu haben. »Eher bringe ich sie um«, soll er in einem Wutanfall gesagt haben. Wer spricht hier die Wahrheit? Und wer verbirgt hinter einer Fassade aus Lügen sein wahres Gesicht? Wem kann Stefanie Leitner trauen, wenn jeder ein Motiv zu haben scheint?

Leseprobe

Wenig später gackerten die Hennen zufrieden und pickten hin und wieder auf den Hahn ein, als sie die Blätter verspeisten. Für zwei bis drei Minuten starrte Leni gebannt auf die Hennen, dann zeigten ihre beiden Arme und ihr Kopf nach links zum Waldrand.
»Auf zu den Bäumen«, bestätigte Sara den Wunsch ihrer Tochter und trug Leni durch die Wiese hinüber zu den Fichten. Sie hob das Mädchen über ihren eigenen Kopf nach oben, sodass diese die Äste und Nadeln eines der Bäume mit ihren Fingern befühlen konnte. Grashalme kitzelten Saras Waden, ihre Arme wurden schwer und schon bald hatte auch Leni genug von den Nadeln und wollte die Rinde des Baumstammes betasten. Daher duckte sich Sara unter den Ästen durch und trat die drei Schritte zum Stamm nach vorne. Leni streckte ihre Arme aus, ließ ihre Finger jedoch nur ganz kurz über die raue Rinde gleiten, dann zeigten ihre Arme nach unten. Gleichzeitig beugten sich auch Kopf und Oberkörper der Kleinen abwärts.
Was hat sie denn jetzt entdeckt? Sara erstarrte für einen Augenblick. Dann drehte sie sich geschockt weg, sodass Leni die Tote nicht mehr sehen konnte.
Estera. Ich kenne sie.
Wenn ich die Polizei rufe, werde ich befragt, scheine in den Akten auf. Das kann ich nicht gebrauchen. Nicht bei dem, was ich mit Schwarzmüller vorhabe.
Schon bald wird sie von jemand anderem gefunden. Sie ist tot. Auf eine Stunde früher oder später kommt es nicht an.
Sara blickte sich um. Weit und breit war niemand zu sehen.
Ihr schauderte. Der Mörder könnte noch hier sein!

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Thalia

Mostviertler Tänzerin
Kriminalroman von Helmut Scharner
Taschenbuch, 200Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-296-9