„Dunkles Waldviertel“ von Max Oban

Georg Bloch führt ein zufriedenes Leben in Krems. Doch die Situation ändert sich schlagartig. Bloch wird in den kleinen Ort Randstein an der Thaya versetzt. Vom ersten Tag an fühlt er sich nicht wohl. Sein streitsüchtiger Chef, ekelhafte Kollegen und die komplizierte Beziehung zur verführerischen Gretl machen ihm das Leben in Randstein zur Hölle. Ein brutaler Mord passiert. Gegen seinen Willen schlittert Bloch in eine Mordermittlung, die ihn nicht nur in die Mystik des Waldviertels, sondern auch weit zurück in die Vergangenheit führt. Rätselhafte Dinge gehen in dem Dorf vor sich. Bloch wird von einem geheimnisvollen Fremden verfolgt und er lernt Manuel Schröffl kennen, einen Schriftsteller, der in einem Haus am Rand des Dorfes lebt. Wer ist der mysteriöse Mann, über den im Dorf allerlei Gerüchte kursieren? Und welche Rolle spielt Jakub Fiala, der rätselhafte Detektiv aus Brünn in Tschechien? Als Bloch die tödlichen Zusammenhänge durchschaut, gerät er selbst in eine mörderische Falle.
Ein geheimnisvolles Haus am Rande eines Waldviertler Dorfes. Ein mysteriöser Mann, der ein finsteres Geheimnis zu hüten scheint und ein Roman-Held, der den Ehrgeiz entwickelt, die Wahrheit herauszufinden. Die ganze Wahrheit.

Leseprobe

Ihre Magenschmerzen meldeten sich wieder. Schon das zweite Mal in dieser Woche. Wahrscheinlich zu fett gegessen. Außerdem bemächtigten sich ihrer Angstgefühle. Angst vor der Zukunft und Angst vor dem Alter. Wie sollte es weitergehen in ihrem Leben? Sie kam sich allein gelassen vor. Wenige Freunde, so gut wie keine Unterstützung von Matyáš und mit Karel, der in Amerika lebte, hatte sie ihren letzten Verbündeten verloren. Tereza, die Nachbarin, fiel ihr noch ein, aber bei der war sie sich nicht sicher, ob man ihr vertrauen konnte. Ob Karel glücklich war in Amerika? Einmal in der Woche telefonieren hatten sie abgemacht. Meist sonntags. Sechzehn Uhr in New York, zweiundzwanzig Uhr in Dešná u Dačic. Aber die Gespräche waren ziemlich nichtssagend. Unbefriedigend. Sie blieb stehen und ließ den Blick über den Himmel schweifen. Ob heute noch Regen kam?
Von der Wiese, die sie überquerte, konnte man schon das Gemeindeamt und einen Teil der Kirche erkennen. Der Wind trug Klänge von Blasmusik aus dem Ort über die Felder herüber. Sie erreichte die Dorfstraße, die sie auf direktem Weg zu ihrem Haus führte. Etwas von der Straße zurückgesetzt war das Gebäude um einiges größer und vom Baustil beeindruckender als die Nachbarhäuser.
Jana ging auf die andere Straßenseite hinüber, besah sich die Fassade und stellte fest, dass die Fensterbalken wieder einmal gestrichen werden müssten. Aber ansonsten war der Bau gut in Schuss. Stolz ließ sie den Blick über den wuchtigen, die gesamte Vorderfront umspannenden Balkon und die dekorativen Dachgauben vor dem dunkelrot leuchtenden Ziegeldach gleiten. Sie betrat das Haus und wartete, dass ihr der Hund freudig bellend entgegenlief, wie es Corvinus immer tat, sobald er jemanden hereinkommen hörte. Doch heute bellte niemand. Sie rief nach ihm und fand den Hund schließlich in der Küche, wo er mit unsicheren Beinen stand, zu ihr hochsah und leise winselte. Sie bückte sich und wollte ihn streicheln, doch der Hund benahm sich eigenartig, er torkelte ein wenig und pieselte auf den Boden. Ein immer stärker werdendes Zittern ging durch seinen Leib, worauf er alle viere von sich streckte und auf den Boden plumpste. Erschrocken wich Jana zurück. Nach der ersten Schrecksekunde hockte sie sich neben den leblosen Körper und griff dem Hund an den Hals.
»Tot«, flüsterte sie.

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Thalia

Dunkles Waldviertel
Kriminalroman von Max Oban
Taschenbuch, 268 Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-297-6