„Der Gruber wird noch einmal Großvater“ von Werner Gumpinger

Am Allhaminger Adventmarkt genießen der Gruber und seine Freunde gerade die festliche Stimmung, als eine rätselhafte Einbruchserie das Dorf erschüttert: Drei Häuser – die der Bürgermeisterin, des Wirtschaftsbund-Obmanns und des Feuerwehrkommandanten – werden heimgesucht. Doch gestohlen wird nichts. Stattdessen hinterlässt der Täter jeweils ein Flaschenschiff. Im Auftrag der Wallnerin nehmen der Gruber und der Friedl die Ermittlungen auf. Bald stecken sie in einem verworrenen Spiel aus versteckten Hinweisen und geheimen Botschaften. Was bedeuten die Flaschenschiffe – und welche Geschichte versteckt sich dahinter?

Leseprobe

eins
Endlich war es wieder so weit: Mit der stillsten Zeit im Jahr stand auch der alljährliche Adventmarkt in Allhaming vor der Tür.
Traditionellerweise finden bereits am Vorabend die Vorbereitungen statt, und die Stände der Vereine werden aufgebaut. Natürlich gibt es hier – aber erst nach getaner Arbeit – die Möglichkeit zu einem gemeinschaftlichen Vorweihnachtsbier. Der Markt beginnt am Samstag vor dem 1. Advent mit dem Verkauf von selbstgefertigten Adventskränzen der Bäuerinnen und der anschließenden Weihefeier in der Kirche. Im Laufe des weiteren Abends hält sich gefühlt die Hälfte des Ortes in dem nicht allzu großen Areal rund um den Kirchenplatz bis hinauf zum Pfarrheim auf.
Es bietet sich den ankommenden Gästen beim Hinzugehen zum Adventmarkt ein wahres Schauspiel: Wenn man nach einer Absperrung den Weg am Dreikönigshof vorbei zur Kirche hinaufgeht, kann man bereits weihnachtliche Klänge vernehmen. Ein Bläserquartett des örtlichen Musikvereins sorgt für eine besondere Untermalung.
Man taucht ein in das sanfte Gemurmel angeregter Gespräche, hört Leute lachen, sieht Kinder herumtollen, erste vorweihnachtliche Gerüche dringen in die Nase, und die Erwartung eines wahrlich besonderen Abends erfüllt die Menschen. Man nimmt die ersten Hütten wahr und all die Lichter. Man entdeckt bekannte Gesichter, begrüßt einander, holt sich ein erstes Getränk, Gespräche entwickeln sich. Der Zauber beginnt, sich zu entfalten.
Der Gruber war mit seiner Iris im Pfarrheim bei der kleinen, aber feinen Weihnachtsausstellung mit allerlei Ständen. Auch in diesem Jahr konnten sie nicht widerstehen, versorgten sich mit Honig aus lokaler Produktion, bewunderten Schnitzereien, erwarben einige kleinere Kunstwerke und tranken dort – traditionell – einen Schnaps. Zum Aufwärmen.
Sie erwarben am Stand der Jungschar eine weihnachtliche Bastelei. Es war dem Hermann nicht wichtig, ob der verzierte Kranz, den er kaufte, jener wäre, welcher von Tobi oder Johannes gefertigt worden war. Die beiden Enkel vom Gruber, welche schon seit langer Zeit bei ihm wohnten, hatten selbstverständlich auch mitgeholfen. Nun aber, in dem Chaos auf dem Verkaufstisch, konnte niemand mehr sagen, was von welchem Kind gemacht worden war. Die Jugendlichen am Stand stimmten die Besucher einfach fröhlich, und die Jungschar selbst war ohnedies förderungswürdig.
Vor dem Verlassen des Pfarrheims gingen Iris und der Gruber noch zu einem Stand mit Likören. Diese waren allseits bekannt, beliebt und aus lokaler Produktion.
Sie musste etwas warten, da bereits einige Interessenten am Gustieren und Verkosten waren. Die Leute lachten und schienen hellauf begeistert. Der Kastner, Produzent und Schöpfer dieser Köstlichkeiten, befand sich im Gespräch mit einem Kunden und zwinkerte, als er den Gruber wahrnahm, diesem kurz zu.
Wenig später waren Iris und Hermann an der Reihe und nahmen sich vier Flaschen mit: je einmal Pflaume und Quitte, weil die einfach unglaublich waren; je einmal Heublume und Apfelstrudel, weil der Kastner diese mit einem überzeugenden Lächeln empfohlen hatte. Dem Gruber war gerade beim Apfelstrudel seine Skepsis anzusehen gewesen, doch nach einer ersten Verkostung – und sicherheitshalber einer zweiten – stand definitiv fest, dass sie nicht ohne eine Flasche Åpfeschlangal gehen würden.

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Der Gruber wird noch einmal Großvater
Kriminalroman von Werner Gumpinger
Taschenbuch, 188 Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-352-2

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