„Tod in der Reha Klinik“ von Petra Kurz

Hildegard von Sinnen, eine krisengebeutelte Krimiautorin mit Rückenleiden, verschlägt es in eine Rehaklinik am Rande Wiens. Was als zähes Therapieprogramm mit Sitzgymnastik und Kantinenfraß beginnt, wird schnell zu einem düsteren Puzzle: Eine Patientin stirbt – angeblich ein Unglück, doch Hilde wittert Mord.
Zusammen mit dem eigenwilligen Inspektor Paulus, dessen Humor genauso trocken ist wie der Marmorkuchen in der Kantine, rollt sie einen Jahrzehnte alten Fall auf: Ein verschwundenes Mädchen, eine verbotene Internatsaffäre und eine Clique von Frauen, die mehr Leichen im Keller haben als Tabletten im Nachtschrank.
Während sich Hilde in ein Netz aus Lügen, Eifersucht und längst verdrängten Rachegelüsten verstrickt, wird sie selbst zur Zielscheibe, doch statt sich einschüchtern zu lassen, beweist sie, dass sie trotz Rückenschmerzen einen Mordfall sauber zu Ende bringen kann – auf ihre Art.
Am Ende ist klar: Die Reha hat nicht nur ihre Bandscheibe gerettet, sondern auch ihre Schreiblust wieder zurückgebracht. Und Hilde und Paulus sind ein Team, das man nicht so schnell loswird.

Leseprobe

Mit einem mulmigen Gefühl und dem schweren Koffer in der Hand betrat ich das mir unbekannte Gebäude. Die kühle Atmosphäre und das gedämpfte Licht verstärkten meine Nervosität. Geduldig reihte ich mich in die Schlange der Wartenden ein und spähte über die Gesichter, die ebenso gespannt wirkten wie ich.
Mit jedem mühseligen Vorrücken schob ich meinen betagten Lederkoffer mit dem Fuß nach vorne. Das unvermeidliche Quietschen ließ die Umstehenden zusammenzucken, als hätte ich einen Geheimbund gestört. Die Reaktionen schwankten zwischen mitleidigem Stirnrunzeln und dieser leisen, scharfen Energie, die man sonst nur von schlecht gelaunten Beamtinnen kennt. Ich lächelte entschuldigend und wollte sagen: Ja, ich bin die mit dem Koffer aus der Kreidezeit.
Direkt vor mir stand eine ältere Dame mit einem Blümchentuch auf dem Kopf. Sie musterte mich, offenbar auf der Suche nach jemandem für ein Gespräch – oder gleich für einen Kaffeeklatsch. Ich wich ihrem Blick aus.
Endlich erreichte ich die Rezeption, wo mich eine junge Frau mit einem Lächeln empfing, das so echt wirkte wie ein Drei-Euro-Schein.
»Nehmen Sie doch bitte auf einem der Stühle Platz«, sagte sie und deutete auf zwei wackelige Sitzgelegenheiten, die aussahen, als hätten sie bessere Tage gesehen – irgendwann im letzten Jahrhundert. Ich setzte mich vorsichtig, jederzeit bereit, von einer kaputten Feder aufgespießt zu werden.
Irgendwie habe ich mir diesen Morgen anders vorgestellt.
.

Auch als e-book erhältlich
Amazon
Thalia

Tod in der Reha Klinik
Der erste Fall für Hildegard von Sinnen
Kriminalroman von Petra Kurz
Taschenbuch, 248 Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-368-5