„Bittersüße Beute“ von Astrid Miglar

Die Geschichte um Valeria beginnt mit der Trennung von ihrem Partner Ryszard. Er wünscht sich Familie, sie fühlt sich zu alt dafür. Ryszard hat bereits Ersatz für Valeria gefunden, eine junge Polin, die von seiner Familie akzeptiert wird. Als Startkapital in ihr neues Leben erhält Valeria die Hälfte des Wertes der gemeinsamen Eigentumswohnung. Verletzt beschließt Valeria künftig auf Liebe zu verzichten. Ein Buchprojekt, ihrer Agentin versprochen, soll sie vom Kummer ablenken. Zudem findet Valeria, dass sie Beschäftigung über das Schreiben hinaus benötigt. Sie kauft ein Haus. Nach und nach lernt sie ihre neue Nachbarschaft kennen, von denen schon bald einige ums Leben kommen.

Leseprobe

Tom und ich sitzen in der Badewanne. Ich befinde mich hinter ihm, meine Beine links und rechts von seinem Körper. Ich streichle seinen Rücken, schauspielere ihm Lust vor. Berühre intime Körperstellen, die sich erkennbar darüber freuen. Ich schenke ihm Sekt ein, greife zum Kuchenteller und schiebe ihm ungeschickt ein Stück Rhabarberkuchen in den Mund. Anschließend küsse ich seinen Nacken, danach die Stelle zwischen Hals und Schulter, die unerwartet fest ist. Er fühlt sich sicher, kaut, schluckt, trinkt den Inhalt seines Sektglases in einem Zug aus und verkündet: »Sauer macht lustig.« Ich kichere, als hätte er den Scherz des Jahrtausends gemacht. »Ich habe noch Hunger«, sagt Tom und ich weiß nicht, ob er den Kuchen meint oder Lust auf Sex hat. Rasch greife ich nach dem nächsten Kuchenstück und reiche es ihm, während meine andere Hand sich unter seinem Arm durcharbeitet, um seine Brust zu kraulen.
Ich reibe an seinen Brusthaaren herum, was ihm zu behagen scheint. Um Zeit totzuschlagen, gebe ich vor, Sekt zu trinken, vermeide es jedoch, das Glas mit meinen Lippen auch nur zu berühren. Hinter Toms Rücken schütte ich den Alkohol in ein bereitgelegtes Handtuch und stelle das Glas dann auf dem Fliesenrand ab.
Er stöhnt, lehnt sich an mich. Meine Brüste pressen sich an seinen Rücken. Meine Bewegungsfreiheit wird dadurch eingeschränkt. Nur meine rechte Hand liegt gut. Genau dort, wo sie Zugriff auf Toms besonders aufregende Körperteile hat. Es kostet mich nur wenig Überwindung. Eifrig nehme ich sein Glied in die Hand, massiere es und höre sein wohliges Aufseufzen. Mir ist klar, dass ich damit fast nichts falsch machen kann.
Tom verlangt noch ein Stück vom Kuchen. »Viel ist nicht mehr übrig«, stellt er fest.
»Ich freue mich, dass dir mein Kuchen schmeckt. Iss ihn ruhig auf.«
»Und wie mir das schmeckt«, säuselt er, fasst nach meinem Handgelenk und drückt meine Hand fester auf seinen Schwanz. Ich arbeite mich weiter vor, kraule seine Hoden. Ich verhalte mich, als formte ich Modelliermasse zwischen meinen Fingern. Um meine Ungeschicklichkeit auszugleichen, drücke ich mich fester an ihn, reibe meine Brust an seinem Rücken. Es wird nicht mehr lange dauern. Entweder ist Tom bald bewusstlos oder er fällt doch noch über mich her. Letzteres will ich verhindern. Wie lange ich ihn wohl noch hinhalten kann? Sein erstes Kuchenstück hat er vor einer halben Stunde aufgegessen.
Tom stöhnt. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Lust geschuldet ist. Oder beginnt die reichlich hinzugegebene Oxalsäure im Kuchen bereits zu wirken? Ich habe kräftig dosiert, schließlich weiß ich nicht, ob das Pulver die unkonventionelle Lagerung gut überstanden hat und ob die Wirkung noch zu einhundert Prozent besteht.
Er räuspert sich. Verlangt nach einem weiteren Glas Sekt. Ich schenke ein. Ein Blubbern steigt auf. Tom leidet unter Blähungen. Wären wir besser bekannt, könnte ich darüber lachen, so jedoch ist mir unangenehm, dass die Badewanne unerwartet zum Whirlpool mutiert. Außerdem bindet das Wasser den fauligen Gestank nicht, der nun seinen Rücken entlang direkt zu meiner Nase aufsteigt.
Ich lasse warmes Wasser in die Wanne, schenke nochmals nach, und füttere ihn mit dem letzten Stück Rhabarberkuchen. Er rülpst.
»Mir ist übel«, jammert er, greift nach der Sektflasche und trinkt direkt daraus, als könnte er seine Übelkeit dadurch beseitigen. Auch im Sekt habe ich Oxalsäure aufgelöst. Unmittelbar nach dem Öffnen der Flasche. Alles zusammen sollte in wenigen Minuten seine Wirkung tun, wenn man den Angaben im Internet trauen kann.

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Thalia

Bittersüße Beute
Kriminalroman von Astrid Miglar
Taschenbuch, 250 Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-319-5