„Wahnsinn im Monsun“ von Erich Wimmer
Wer profitiert von Anton Bruckners Wiedergeburt? Wie laufen die Geschäfte einer Fotografin, die Aufnahmen von Gaumenzapfen macht? Was passiert mit einem Schwarzfischer, der bei einem Wolkenbruch die Götter anruft? Womit ist man im Fegefeuer beschäftigt und wie sieht es dort aus? Warum stürmen amerikanische Navy-Seals um Mitternacht den Saunabereich eines Wellnesshotels? Antworten auf diese und andere ungewöhnliche Fragen geben sechzehn originelle Geschichten – viele von ihnen prämiert und zum ersten Mal in einem Band vereint. Lebensfreude, Zuversicht und Ironie prägen diese Erzählungen, die wie ein Feuerwerk in den belletristischen Himmel steigen.
Leseprobe
Die große Stelle. So nennen mein Fischerkumpel Pavel und ich die schönste und einsamste Stelle des wilden Flusses. Von anderen Fliegenfischern wird dieser Flussabschnitt sogar als Canadian Pool bezeichnet. Keinen würde es wundern, tauchten an dieser mit Felsblöcken gespickten Engstelle plötzlich Bären auf, um zu fischen.
Nur ausgewachsene Grizzlys könnten sich in der Strömung um diese Felsen länger als eine Sekunde halten, ohne mitgerissen und fortgespült zu werden. Dass auch immer wieder lebensmüde Paddler zwischen den Kanten dieser schroffen Wände durchreiten, sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Auch überregionale Medien berichten dann von den Kanuten, die gegen die Felsen knallen und trotz Helm das Bewusstsein verlieren, bevor sie von den Wassermassen auf den Grund gemalmt werden.
Erst ein paar Kilometer weiter talauswärts, dort, wo der Fluss in den See mündet, spuckt er die Leichen wieder aus und lässt sie friedlich an die Oberfläche steigen, wo sie von den Burschen der Seerettung routiniert geborgen werden.
Auch als e-book erhältlich
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Thalia
Wahnwitz im Monsun
16 euphorische Textraketen
von Erich Wimmer
Taschenbuch, 180Seiten, € 14,90 (A)
ISBN 978-3-99074-302-7



