„Tod bei Stegersbach“ von Thomas Himmelbauer
Splitternackt und erschossen liegt ein Mann auf dem Bahntrassenradweg im Südburgenland. Die Ermittlungen der SOKO-Südost führen zu einem ehemaligen Schulkameraden des Opfers, der eine Woche zuvor am vierzigjährigen Maturatreffen teilnahm. Man schwelgte in Erinnerungen an vergangene Streiche und Geheimnisse, die über vier Jahrzehnte hinweg bewahrt wurden. Die mörderischen Folgen dieser Zusammenkunft und der Schatten der längst vergangenen Schulzeit fordern Anton Geigensauer und seine Kollegin Beliz Hombert von der SOKO-Südost auf Äußerste.
Leseprobe
Es waren rund zwanzig Minuten vergangen. Er näherte sich wieder dem ehemaligen Bahnhof Burg-Eisenberg. Schon aus einiger Entfernung sah Geigensauer ein Fahrrad und einen menschlichen Körper neben dem Gebäude auf der Fahrbahn liegen. Hatte der Profi einen Sturz gebaut? Erst beim Näherkommen bemerkte er, dass der Mann splitternackt war. Kein Helm, kein T-Shirt, keine Hose, keine Socken, keine Schuhe, nichts. Zweifelsfrei ein Mann. Jemand hatte ihm in Kopf und Brust geschossen. Anton bückte sich. Das Blut war nicht vollständig geronnen und der Leib warm, aber der Mensch lebte nicht mehr.
Die Situation wirkte tragisch und skurril. Nachdenklich holte Geigensauer sein Handy aus der Rückentasche seines Fahrradtrikots und verständigte die Einsatzkräfte. Das Opfer war etwa sechzig Jahre alt, hatte längere, blonde Haare, vermutlich gefärbt, und einen durchtrainierten Körper. Lage und Blutspuren waren eindeutig. Der Mann war direkt hier erschossen worden. Anton fotografierte die Leiche. Er hatte die tödlichen Schüsse gehört. Seitdem waren rund zehn Minuten vergangen.
Ein Stück vor dem alten Bahnhof führte ein Weg zu der nur wenige hundert Meter entfernten Bundesstraße B56. Der Täter konnte mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Fahrrad geflohen sein. Weit weg war er nicht. Anton hatte eine Fahndung angeordnet. Er hatte die Hoffnung, dass der Mörder sich verriet, wenn er angehalten wurde. Geigensauer erinnerte sich an keinen PKW, der beim alten Bahnhof geparkt hätte, als er vorbeifuhr. Leider hatte er das Bike des Mannes, der zum Austreten hinter dem Gebäude verschwand, und das Rad des Profis, der ihm entgegenkam, nicht näher beachtet. Daher war er nicht in der Lage, das neben dem Ermordeten liegende Fahrrad jemandem zuzuordnen. Alle Bikes waren Rennräder. Mehr hatte er leider nicht wahrgenommen.
Der Tote vor ihm konnte der Profi, der Mensch, der zum Pinkeln fortging, oder eine dritte Person sein. Die Erkenntnisse, die den Mörder betrafen, waren um nichts besser. Ein Unbekannter kam genauso infrage wie der Sportler mit dem grünen Trikot oder der Mann mit dem knallroten Leibchen, der beim ehemaligen Bahnhof verschwunden war. Die Gesichtszüge des Letzteren hatte er nicht gesehen, weil dieser zu weit von ihm entfernt war, bevor er verschwand. Der Profi hatte Helm und Sonnenbrille getragen. Auch ihn würde Anton nicht wiedererkennen.
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Tod bei Stegersbach
Kriminalroman von Thomas Himmelbauer
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