Veltliner Spritzer

Der Rote Bär bat Hemma im Lokal Platz zu nehmen und ging dann ohne Umschweife hinter die Bar, um die Espressomaschine in Gang zu setzen. Während der Kaffee lief, sah Hemma, dass ein völlig zerstörter Hakim an einem der Tische saß.
»Was ist mit dem Hakim los?«, fragte sie.
»Ja, der schaut aus wie frisch aus dem Hintern gezogen. Und so fühlt er sich sicher auch. Der Depp hat gestern zum ersten Mal in seinem Leben Wein getrunken. Und das offensichtlich nicht zu knapp.«
Hemma erhob sich, ging zu Hakim hin und legte ihm ihre Hand auf die Schulter.
»Was ist los, Hakim, wie geht es dir?«
»Scheiße Veltliner …«
Darauf folgte ein Kopfschütteln, mehr war aus ihm nicht mehr herauszuholen. Noch während der Rote Bär die Milch schäumte, begann sie Hemma die Geschichte von letzter Nacht zu erzählen, die so endete, dass Jasina wohl im Dreierzimmer schlafen wollte. Aber morgens kam sie nicht herunter. Sie war weder im Dreierzimmer, noch lag sie neben dem kotzenden Hakim, noch war sie sonst irgendwo zu finden.
»Das ist aber eigenartig. Trotzdem, wie kommen Sie nur auf die verrückte Idee, eine Muslimin in Ihrer Bar arbeiten zu lassen? Noch dazu ohne Kopftuch.«
»Entschuldigung, wie hätte denn das ausgesehen, eine Frau mit Kopftuch in einer Rotlichtbar. Wie stellen Sie sich das vor? Ja, gut, ich habe ihr angeboten, es einen Abend lang einmal in 38 der Bar zu versuchen. Es war aber ihre Idee, das Kopftuch abzulegen. Ihre Entscheidung, verstehen Sie?«
»Ja, aber dass der Hakim dann durchdreht, das war ja wohl klar.«
»Ich habe ja nicht gewusst, dass er derartig fett nach Hause kommt, wer hätte denn ahnen können, dass er sich so antschechert?«
»Okay. Aber unabhängig davon: Der hätte sich genauso aufgeregt, wenn er nüchtern gewesen wäre. Verzeihung, Frau Roter Bär, auch christliche Ehemänner würden es nicht gut finden, wenn ihre Frau in Ihrer Bar arbeiten würde.« »Ja, passt schon. Aber so kommen wir nicht weiter. Was machen wir jetzt?«
»Na, jetzt malen wir nicht gleich den Teufel an die Wand. Hoffen wir einmal das Beste. Vielleicht ist sie nur spazieren gegangen.«
 

Des einen Leib, des anderen Freud. Ein muslimischer Ehrenmord ausgerechnet in einem Weinviertler Landbordell? Hemma, die Mesnerin und Organistin von Niederfeld, glaubt vieles, aber das bestimmt nicht. Auch in ihrem 4. Fall schafft sie es, Licht ins Dunkel zu bringen. Wie immer verlässt sie sich dabei auf ihr treffsicheres Gespür und auf Hubert den Polizeichef, ihren heimlichen Verehrer. Und letztlich auf ihren guten Draht zur Himmelmutter.

Veltliner Spritzer
Hemma Thoms 4. Fall
Krimninalroman von Werner Baumüller
TB, 261 Seiten, € 12,90 (A)
ISBN 978-3-99074-136-8



Veltliner Spritzer ist auch als e-book erhältlich

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Von Werner Baumüller bisher erschienen



Veltliner Schädel
978-3-99074-088-0

Veltliner Spritzer
978-3-99074-136-8





 
Werner Baumüller

     

 

     

 

 
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