„Tod beim Haidbrunnen“ Von Renate Taucher

In Wiener Neustadt wird Penelope Schmied in ihrer Wohnung erstochen aufgefunden. Der Toten wurde das Gesicht zerschnitten und ein Strauß Gänseblümchen auf der Leiche abgelegt. Trotz aller Ermittlungen findet Bezirksinspektorin Miriam Beck kein Motiv und keine wirklich Verdächtigen. Da geschieht ein weiterer Mord. Alina Mader wird auf einer Bank beim Haidbrunnen tot entdeckt: Mit den gleichen Verletzungen und einem Strauß Gänseblümchen. Für Miriam Beck besteht kein Zweifel: es handelt sich um denselben Täter. Doch zwischen den beiden Opfern besteht kein Zusammenhang.

Interview mit Renate Taucher auf WNTV

Leseprobe

Der vierte Fall für Miriam Beck
Nach unzähligen schlaflosen Nächten hatte er die Lösung für sein Problem endlich gefunden, denn dass es so nicht weitergehen konnte, stand für ihn schon lange fest. Wenn es eine andere Möglichkeit für ihn gegeben hätte, hätte er sie gerne ergriffen, aber er sah keinen besseren Weg. Er hatte alles genau geplant und nichts dem Zufall überlassen. An die Wohnungsschlüssel zu kommen, war das Schwierigste gewesen, aber mit seinem Organisationstalent und seinem Charme hatte er auch das geschafft.
Sie würde keine Gelegenheit mehr haben, Einzelheiten auszuplaudern. Nahezu freudig erregt stand er in einem gemütlichen Wohnzimmer, das unübersehbar die Handschrift seiner Bewohnerin trug. Angenehm berührt sah er sich um. Offenbar war sie genauso penibel wie er selbst, alles hatte seinen Platz, nichts lag chaotisch herum. Schade, dass es unumgänglich war, diese Ordnung zu zerstören, aber es blieb ihm keine Wahl. Lauschend hob er den Kopf, sie musste jeden Augenblick kommen. Es war nicht seine Art, ein Lebewesen unnötig zu quälen, und er nahm sich vor, die Sache rasch und effizient zu erledigen.
Auf ihn würde sicher kein Verdacht fallen, dafür hatte er gesorgt. Fast tat er sich selbst leid, aber er konnte sein Leben nur auf diese Weise wieder ins Lot bringen. Es stand zu viel auf dem Spiel. Was er sich in jahrelanger Arbeit aufgebaut hatte, könnte mit einem Schlag vernichtet werden. Deshalb hatte er sich zu dieser drastischen Maßnahme entschlossen.
In Gedanken hatte er alles schon durchgespielt und dabei war ihm aufgefallen, dass ihm die Vorstellung, jemanden zu töten, mittlerweile Freude bereitete. Konnte es sein, dass er nicht ganz normal war? Wenn ihm noch vor einem Jahr jemand gesagt hätte, er würde kaltblütig einen Mord planen, hätte er denjenigen für verrückt erklärt. Nun war er jedoch gezwungen, gleich mehrmals zu morden. Wenn man es genau betrachtete, war er das Opfer, nicht der Täter. Dass manche Frauen aber auch nie genug bekommen konnten!
Er lächelte freudlos und blickte auf seine Armbanduhr, sein Handy hatte er wohlweislich zu Hause gelassen. »Sie müsste eigentlich schon da sein«, dachte er beunruhigt. Sollte sie aufgehalten worden sein? Das würde seinen Zeitplan gewaltig durcheinander bringen. Da hörte er, wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte.

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Tod beim Haidbrunnen
Kriminalroman von Renate Taucher
TB, 210 Seiten, € 13,90 (A)
ISBN 978-3-99074-227-3

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